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16.2 Versicherungstechnische Risiken Nicht-Leben

Versicherungstechnische Risiken im Nicht-Lebenbereich ergeben sich durch die Zufälligkeit des Eintritts eines versicherten Ereignisses sowie durch die Ungewissheit über die Höhe der daraus resultierenden Verpflichtungen. Die wichtigsten Nicht-Lebenbranchen der Helvetia Gruppe sind Sach-, Transport- und HUK-Versicherungen (Haftpflicht, Unfall, Kasko). Letztere setzen sich grösstenteils aus Motorfahrzeugversicherungen und zu einem kleineren Teil aus Haftpflicht-, Kranken- und Unfallversicherungen zusammen. Im Jahr 2006 wurden 72.8% (Vorjahr: 73.0%) des direkten Nicht-Lebengeschäftes der Helvetia Gruppe ausserhalb der Schweiz generiert. Der Anteil an den Bruttoprämien pro Geschäftsbereich ist wie folgt: Schweiz 25.1% (Vorjahr: 24.4%), Deutschland 24.2% (Vorjahr: 24.5%), Italien 15.1% (Vorjahr: 14.4%), Spanien 15.9% (Vorjahr: 15.4%), Österreich 8.1% (Vorjahr: 8.0%), Frankreich 3.8% (Vorjahr: 3.8%) und aktive Rückversicherung 7.8% (Vorjahr: 9.5%) (siehe auch Abschnitt 9 'Versicherungsgeschäft').

Bruttoprämien nach Branchen und Ländern im Nicht-Lebengeschäft in Mio. CHF 

 

 

 

 

 

 

 

2006

Schweiz

Deutschland

Italien

Spanien

Übrige

Total

Sach

332.6

268.0

78.1

151.5

71.0

901.2

Transport

36.3

60.1

4.6

23.0

98.1

222.1

Motorfahrzeug

162.4

149.1

203.3

144.1

74.3

733.2

Haftpflicht

76.2

72.2

31.0

29.0

26.2

234.6

Unfall/Kranken

0.0

37.5

48.0

38.9

19.1

143.5

Rückversicherung

188.7

188.7

 

 

 

 

 

 

 

Bruttoprämien Nicht-Leben

607.5

586.9

365.0

386.5

477.4

2 423.3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2005

Schweiz

Deutschland

Italien

Spanien

Übrige

Total

Sach

317.3

260.9

71.4

142.0

69.0

860.6

Transport

37.9

66.7

4.4

20.6

96.1

225.7

Motorfahrzeug

154.6

149.8

196.5

141.6

70.8

713.3

Haftpflicht

73.1

70.4

26.8

29.3

25.6

225.2

Unfall/Kranken

0.0

37.0

44.3

34.2

19.2

134.7

Rückversicherung

227.1

227.1

 

 

 

 

 

 

 

Bruttoprämien Nicht-Leben

582.9

584.8

343.4

367.7

507.8

2 386.6

Diese Tabellen wurden nach Prinzipien erstellt, die der Segmentberichterstattung in Abschnitt 3 zugrunde gelegt werden.

Die konsequente Ausrichtung der Helvetia Gruppe auf ein geografisch gut diversifiziertes Portfolio hauptsächlich kleiner Risiken (Privatkunden und KMUs) fördert den Risikoausgleich und mindert das Risiko, dass der Aufwand zukünftig eintretender, durch bestehende Verträge gedeckter Schadenfälle höher ausfällt als erwartet (prospektive Risiken). So würde eine Änderung des Nettoschadensatzes um 65 Prozentpunkte einen belastenden bzw. entlastenden Effekt von CHF 108.5 Mio. auf die Erfolgsrechnung haben. Für bereits eingetretene Versicherungsfälle besteht ein Risiko, dass die Höhe bestehender Verpflichtungen die Erwartungen übertrifft und die gebildeten Rückstellungen für zukünftige Schadenzahlungen nicht ausreichen (retrospektive Risiken). Die Gruppe begegnet den prospektiven und retrospektiven Risiken durch aktuarielle Kontrolle, bedarfsgerechte Reservierung und Diversifikation. Trotz des Risikoausgleichs durch Diversifikation können einzelne Risikokonzentrationen (z.B. in Form einzelner Grossrisiken) oder Risikokumulierungen (z.B. via portfolioübergreifende Exponierung gegenüber Naturkatastrophen) auftreten. Solche Risikopotenziale werden gruppenweit überwacht und koordiniert durch Rückversicherung abgesichert.

Die zentrale Einheit 'Gruppenrückversicherung' sichert dazu die einzelnen Geschäftseinheiten mit einem individuellen Rückversicherungsprogramm ab und kauft ihrerseits, unter Berücksichtigung von gruppenweiten Diversifikationseffekten, den notwendigen gruppenweiten Schutz am Rückversicherungsmarkt ein. Die so betriebene Absicherungspolitik erlaubt ein hohes Sicherheitsniveau bei moderaten Kosten. Die versicherungstechnischen Risiken im Nicht-Lebengeschäft werden, gruppenweit gesehen, von Naturgefahren dominiert. Die Rückversicherungskonzeption reduziert den aus einem Naturereignis oder Einzelrisiko auf Gruppenstufe verbleibenden Schaden in den meisten Fällen auf unter CHF 30 Mio. Weitere Informationen zur Qualität der Rückversicherung und der Schadenabwicklung der letzten fünf Jahre können den Abschnitten 16.5 (Gegenparteirisiken) und 9 (Versicherungsgeschäft) entnommen werden. Zusammen mit dem fakultativen Rückversicherungsgeschäft wurden im Jahr 2006 9.5% (Vorjahr: 11.1%) der im Nicht-Lebengeschäft gebuchten Prämie an Rückversicherer zediert.

16.2.1 Haftpflicht-, Unfall- und Kaskoversicherungen
Die Helvetia Gruppe schreibt Haftpflichtversicherungen für Private, Motorfahrzeuge und Unternehmen. Haftpflichtforderungen resultieren aus Handlungen oder Unterlassungen, welche zu Körperverletzungen und/oder Sachbeschädigungen bei Dritten führen. Im Rahmen der Motorfahrzeugversicherung werden auch Kaskodeckungen gezeichnet. Das Volumen des Unfallversicherungsgeschäfts ist auf Gruppenstufe gering.

(a) Vertragsbestimmungen, Garantien und Underwriting-Praxis
Die Helvetia Gruppe steuert die versicherungstechnischen Risiken, denen sie sich aussetzt, durch risikogerechte Tarifgestaltung, selektives Underwriting, proaktive Schadenerledigung und eine umsichtige Rückversicherungspolitik. Das Underwriting stellt sicher, dass die eingegangenen Risiken bezüglich Art, Exposition, Kundensegment und Ort den nötigen Qualitätskriterien genügen. So sind z.B. Forderungen aus Arbeitgeberhaftpflichtversicherungen als Folge einer strikteren Underwriting-Politik der Gruppe seit 1999 zurückgegangen.

(b) Risiken aus Konzentrationen, Kumulierungen und Trendänderung
Das Portefeuille ist europäisch gut diversifiziert mit einer erhöhten Gewichtung in der Schweiz und Deutschland. Grossschäden werden in der Regel über nicht-proportionale Vertragsrückversicherungen abgesichert.

(c) Unsicherheiten in der Schätzung von zukünftigen Schadenzahlungen
Zwischen dem Eintritt und dem Bekanntwerden eines Schadenfalles kann, insbesondere in den Haftpflichtbranchen, eine längere Zeit vergehen. Zur Bedeckung der bestehenden Verpflichtungen, die von Versicherungsnehmern erst in der Zukunft geltend gemacht werden, bildet die Helvetia Gruppe Spätschadenrückstellungen, welche auf der Grundlage der langjährigen Schadenerfahrung unter Berücksichtigung aktueller Entwicklungen und gegebener Unsicherheiten mit aktuariellen Methoden ermittelt werden.

16.2.2 Sachversicherungen
Die Sachversicherungsverträge decken Schäden an oder Verlust von Eigentum der Versicherten durch versicherte Gefahren oder Schäden und Verluste am Eigentum Dritter durch fahrlässige Handlungen oder Unterlassungen der Versicherungsnehmer. Aus Risikosicht unterscheidet die Helvetia Gruppe zwischen Frequenz und Höhe der Schäden.

(a) Vertragsbestimmungen, Garantien und Underwriting-Praxis
Die Sachversicherungsportfolios werden vorwiegend durch die Gruppenrückversicherung rückversichert. Die Rückversicherungsverträge definieren Rahmenbedingungen, unter denen neu gezeichnete Risiken durch den jeweiligen Rückversicherungsvertrag gedeckt werden. Nicht im Rahmen der Vertragsrückversicherung gedeckte einzelne Grossrisiken werden fakultativ rückversichert. In der Regel wird ein Grossrisiko nicht gezeichnet, wenn nicht die entsprechende Rückversicherungsdeckung eingekauft werden kann. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine umfassende Risikokontrolle. Eine zusätzliche Risikokontrolle wird durch ein risikoorientiertes Underwriting von Grossrisiken ermöglicht.

(b) Risiken aus Konzentrationen, Kumulierungen und Trendänderung
Sachversicherung wird, mit Ausnahme der aktiven Rückversicherung, ausschliesslich in Europa betrieben. Die versicherungstechnischen Risiken sind geografisch gut diversifiziert, und das Verhältnis zwischen Geschäfts- und Privateigentum im Gesamtportfolio ist ausgewogen. Die geografische Verteilung der Risiken hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich verändert.

Das Sachversicherungsportfolio ist naturgemäss gegenüber Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Windstürmen und Hagel exponiert. Auch Grossschäden und durch Menschen verursachte Katastrophen können zu hohen Schadenaufwänden führen. Beispiele sind Explosionen, Feuer und Ölkatastrophen. Die Anzahl und das Ausmass der Katastrophen für einen gegebenen Zeitraum sind von Natur aus unvorhersehbar. Die Helvetia Gruppe schützt sich vor Katastrophenschäden sehr effektiv durch ein mehrstufiges Rückversicherungsprogramm und durch eine selektive Underwriting-Praxis.

(c) Unsicherheiten in der Schätzung von zukünftigen Schadenzahlungen
Die Schadenabwicklung für Sachversicherung erfolgt in der Regel noch im Schadenjahr selbst.

16.2.3 Transportversicherungen
Die Helvetia Gruppe betreibt das Transportversicherungsgeschäft als Nischenmarkt vor allem in Frankreich und zu einem geringeren Teil in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Die Helvetia Gruppe ist vor allem im vergleichsweise risikoarmen Cargo/Hull-Bereich tätig. Die Kontrolle der Risikoexponierung erfolgt über lokale Zeichnungsrichtlinien und über die – durch das kleine Volumen mögliche – enge Beziehung zum Versicherungsbroker respektive Kunden.

16.2.4 Aktive Rückversicherung
Traditionell besitzt die Helvetia Gruppe ein kleines aktives Rückversicherungsportfolio, dessen Volumen im Rahmen der Geschäftsstrategie beschränkt ist. Die aktive Rückversicherung wird durch die Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG mit Sitz in St. Gallen betrieben. Bis Mitte der 90er-Jahre dominierte die Sachrückversicherung. In den letzten Jahren wurde das Portfolio breiter gefächert. In der Geschäftsphilosophie versteht sich die aktive Rückversicherung als 'Follower' und beteiligt sich nur mit kleinen Anteilen an Rückversicherungsverträgen. Diese Politik der kleinen Anteile, kombiniert mit einer breiten Diversifikation (geografisch und nach Versicherungszweigen), führt zu einem gut diversifizierten Rückversicherungsportfolio, welches keine grösseren Risikokonzentrationen zeigt.

(a) Vertragsbestimmungen, Garantien und Underwriting-Praxis
Die kleine Portfoliogrösse in der aktiven Rückversicherung ermöglicht einen detaillierten Überblick über die Kundenbeziehungen und eine strikte Risiko- und Engagement-Kontrolle des neu gezeichneten Geschäftes. Preiskalkulation und Reservierung werden durch ein spezialisiertes Rückversicherungsaktuariat vorgenommen.

(b) Risiken aus Konzentrationen, Kumulierungen und Trendänderung
Geografisch wird das Geschäft von Gesellschaften aus OECD-Ländern dominiert. Im Hinblick auf Grossschäden wurde ein Management-Informations-System eingeführt. Zusätzlich zur Kontrolle der Risikoexponierung werden kumulative Risiken aus Naturgefahren mit aktuariellen Methoden überwacht und quantifiziert.


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